Zwölf Schläge vom Kreml
Kurz vor Mitternacht wird es an russischen Festtafeln still. Alle schauen auf den Fernseher, wo die Uhr am Spasskaja-Turm des Kreml zu sehen ist. Wenn sie schlägt, beginnt das neue Jahr. In Moskau ist das um 22 Uhr deutscher Zeit.

Der Ablauf im Fernsehen
Gegen 23.55 Uhr (Moskauer Zeit) beginnt die Neujahrsansprache des Staatsoberhaupts. Diese Tradition gibt es im Fernsehen seit dem Jahreswechsel 1970/71.
Um Mitternacht zeigt das Fernsehen die Uhr am Spasskaja-Turm. Unter ihren Schlägen wird angestoßen.
Danach erklingt die Staatshymne, und das Fest geht weiter.
Die Uhr am Spasskaja-Turm
Das heutige Uhrwerk stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Seit den 1920er-Jahren werden die Glockenschläge im Radio übertragen, später auch im Fernsehen. Für viele Menschen ist der Klang dieser Glocken das eigentliche Zeichen, dass das neue Jahr begonnen hat.
Der Wunsch im Sektglas
Ein verbreiteter Brauch: Man schreibt einen Wunsch auf einen kleinen Zettel, verbrennt ihn während der zwölf Schläge, gibt die Asche ins Sektglas und trinkt aus, bevor der letzte Schlag verklungen ist. Dann soll der Wunsch in Erfüllung gehen. Wie alt der Brauch ist, lässt sich nicht belegen. Zu schaffen ist er in knapp einer Minute nur mit Übung.
Ironie des Schicksals
Zum russischen Neujahr gehört ein Film: „Ironie des Schicksals“ von Eldar Rjasanow. Der zweiteilige Fernsehfilm lief zum ersten Mal am 1. Januar 1976 und wird seither praktisch jedes Jahr gezeigt. Die Handlung: Ein Moskauer landet nach dem traditionellen Saunabesuch mit Freunden am 31. Dezember versehentlich in Leningrad, in einer Wohnung, die genauso aussieht wie seine eigene, in einer Straße mit demselben Namen.
Die Neujahrsshow
Nach Mitternacht laufen stundenlang Musik- und Unterhaltungsshows. Die bekannteste Tradition ist „Goluboj Ogonjok“, das Blaue Lichtlein, eine Neujahrsshow mit Liedern und Gästen, die es seit den 1960er-Jahren gibt.