Das größte Fest des Jahres
Fragt man in Russland nach dem wichtigsten Fest des Jahres, lautet die Antwort fast immer: Neujahr. Es vereint, was in Deutschland auf Weihnachten und Silvester verteilt ist, den geschmückten Baum, die Geschenke, das Familienessen und den Countdown um Mitternacht. Dass es so gekommen ist, hat mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts zu tun.

Peter der Große und der 1. Januar
Bis zum Jahr 1700 begann das Jahr in Russland im September. Peter der Große verlegte den Jahresbeginn per Erlass auf den 1. Januar und ordnete an, die Häuser mit Nadelzweigen zu schmücken. Die geschmückte Tanne im Wohnzimmer kam erst im 19. Jahrhundert in Mode, über den Hof in Sankt Petersburg und deutsche Familien im Land.
Weihnachten wird Arbeitstag
Nach der Revolution von 1917 blieb die Tanne zunächst unangetastet. In den 1920er-Jahren lief dann eine Kampagne gegen Weihnachten als religiöses Fest. 1929 wurde der Weihnachtstag zum Arbeitstag, und vielerorts durften keine Tannen mehr verkauft werden. Ein einziges landesweites Verbot, wie es oft erzählt wird, gab es dabei nicht.
1935: Die Tanne kehrt zurück
Am 28. Dezember 1935 erschien in der Zeitung Prawda ein Aufruf, den Kindern zu Neujahr eine schöne Tanne zu schenken. Wenige Tage später stand die erste sowjetische Neujahrstanne, am 1. Januar 1937 folgte ein großes Tannenfest in Moskau. Der Baum hieß nun Jolka, Neujahrstanne, und statt eines Weihnachtssterns trug er einen Stern an der Spitze.
Mit der Tanne kam Ded Moros zurück, Väterchen Frost, als Gabenbringer der Neujahrsnacht. Mehr unter Ded Moros.
Ein Fest für alle
So wurde Neujahr zu einem Fest ohne religiösen Anlass, das jede Familie feiern konnte. Nach 1991 blieb es das Hauptfest. Weihnachten ist heute wieder gesetzlicher Feiertag, und zwar am 7. Januar, dem Datum der orthodoxen Kirche. Warum, steht unter Kalender.
Die Festzeit
Die Festzeit beginnt schon im Dezember mit Kinderfesten an Schulen und Kindergärten, bei denen Ded Moros auftritt. Nach Neujahr folgen die Neujahrsferien, Weihnachten am 7. Januar und in der Nacht zum 14. Januar das Alte Neujahr. Erst danach ist die Festzeit vorbei.